Die wichtigsten Argumente für einen Einstieg in die Labormedizin

LabormedizinEtwa 70 Prozent aller ärztlic­hen Entscheidungen beruhen heute auf ­labormedizinischer Diagnostik. Grund genug, sich bei der Wahl der ­fachärztlichen Weiterbildung mit dieser ­Disziplin zu beschäftigen. Ein ­Beitrag von Dr. Larissa Lauterbach und Dr. Ronald ­Biemann, Sprecher der Sektion Junges Labor, DGKL e.V.

Etwa 70 Prozent aller ärztlichen Entscheidungen beruhen heute auf labormedizinischer Diagnostik. Man denke allein an die hausärztlichen Blutuntersuchungen. Die Labormedizin ist unerlässlich, um eine schnelle und rationale Diagnostik sowie eine effektive und zielgerichtete Behandlung von Patienten zu gewährleisten. Eine wesentliche Aufgabe der Labormedizin liegt zudem in der Früherkennung von Erkrankungen und von Krankheitsrisiken, um präventive Strategien zur Gesunderhaltung des Einzelnen durchzuführen. Für eine angemessene labormedizinische Versorgung sind neben dem methodischen Verständnis vor allem auch tiefe pathophysiologische Kenntnisse der Krankheitsentstehung und der Therapiewirkung sowie eine hohe medizinische Beratungskompetenz unerlässlich.

Im Fokus der Labormedizin steht der Patient

Obwohl die typische Tätigkeit des Laborarztes nicht primär am Patienten stattfindet, ist die Arbeit des Laborarztes doch entscheidend für die korrekte Diagnosestellung und anschließende Therapie. So steht er für Rücksprachen der behandelnden Ärzte zur Verfügung und berät diese hinsichtlich zielführender labordiagnostischer Untersuchungen und der Interpretation von Untersuchungsergebnissen. Laborärzte sind somit die am zweithäufigste konsultierte Arztgruppe. Die Konsiliartätigkeit erfolgt in der Regel per Telefon oder auch im Rahmen einer gemeinsamen Stationsvisite. Eine Tätigkeit als Laborarzt bedeutet jedoch nicht zwangsläufig den Abschied vom direkten Patientenkontakt. So bieten verschiedene Labore beispielsweise Sprechstunden im Rahmen von Spezialambulanzen mit dem Fokus auf Gerinnungsstörungen, Fettstoffwechselstörungen oder endokrinologische Erkrankungen an.

Interdisziplinarität in der Labormedizin

Labormedizin
Als diagnostisches Fachgebiet befasst sich die Labormedizin mit der Untersuchung und Bewertung von Körperflüssigkeiten – neben Blut auch Liquores, Aspirate, oder Urin beispielsweise – aus denen heute mehr als 5.000 Parameter bestimmt werden können. Die Proben werden durch spezielle Verfahren analysiert und durch einen Laborarzt beurteilt, interpretiert, und das Ergebnis rasch an den behandelnden Arzt zurückgemeldet.

Das eingesetzte Methodenspektrum ist dabei sehr vielfältig und hoch technologisiert. Neben vollautomatisch ablaufenden Hochdurchsatzuntersuchungen wie der Blutbildanalyse werden im spezialisiertem Labor auch komplexe genetische Untersuchungen sowie multiparametrische Metabolom-Analytik durchgeführt, um beispielsweise Stoffwechseldefekte zu diagnostizieren und die Therapie zu überwachen. Zur Labormedizin gehören daher verschiedene Teilgebiete, wie die Klinische Chemie, Hämatologie, Hämostaseologie, Immunologie, Infektionsserologie, Molekulare Diagnostik, Mikrobiologie sowie das Neugeborenenscreening. Hinzu kommt, dass in der Praxis die einzelnen Fächer Labormedizin, Transfusionsmedizin, Mikrobiologie, Virolo­gie und Humangenetik häufig eng miteinander verzahnt sind.

Ein Fach mit Bezug zu Wissenschaft, Wirtschaft, Forschung und Technik

Der Laborarzt befasst sich im Alltag mit einem inhaltlich sehr breiten und dynamischen Spektrum, welches durch wissenschaftliche Fragestellungen geprägt ist. So werden in der Labormedizin neue diagnostische Methoden entwickelt so­wie Pathomechanismen von Krankheiten molekular und funktionell aufgeklärt, um Diagnostik und Therapie von Patienten zu verbessern.

Ein weiterer Schwerpunkt der labormedizinischen Forschung ist die therapiebegleitende Diagnostik (Companion Diagnostics, personalisierte Medizin). Während bestimmte Medikamente bei einigen Patienten sehr erfolgreich angewendet werden können, führen sie bei anderen wegen genetischer Prädisposition, Umwelteinflüssen oder wegen des persönlichen Lebensstils zu unerwünschten Nebenwirkungen oder sind unwirksam. Die Anwendung einer personalisierten Analytik zur Unterstützung der Therapieentscheidung ist daher sowohl von me­di­­zin­ischer als auch von ökonomischer Bedeutung.

Als ein hoch technologisiertes Fachgebiet der Medizin gehört auch eine Vielzahl an weiteren Themen, wie beispielsweise die Digitalisierung und Laboroptimierung zum Alltag des Laborarztes. Je nach Ausrichtung des Labors beteiligen sich Laborärzte zudem an der Laborplanung, Prozessoptimierung, dem Qualitäts­management sowie den damit zu­sam­menhängenden wirtschaftlichen Fragen. An Universitäten wird das wissenschaftliche Arbeitsumfeld durch Lehre und Forschung ergänzt.

Labormedizin

Exzellente Entwicklungs- und Karrierechancen in Verbindung mit familienfreundlichen Arbeitszeiten machen das Fachgebiet der Labormedizin so interessant.

Hervorragende berufliche Pers­pek­tiven

Wer diesem vielfältigen Fachgebiet ge­wachsen ist, hat sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten, angefangen von der Leitung einzelner Abteilungen im Labor bis hin zum ärztlichen Leiter des gesamten Labors beziehungsweise einer Position als Oberarzt oder Chefarzt. Neben exzellenten Karrieremöglichkeiten besteht die Attraktivität der Labormedizin zudem in der guten Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Arbeitszeit lässt sich häufig an die individuelle Lebenssituation anpassen. Bereitschaftsdienste sind gut planbar und können in der Regel ohne wesentliche Überstunden abgeleistet werden.

Nachwuchsbedarf in der Labormedizin

Schon jetzt fehlen an vielen Medizinlaboren Fachärzte. Aufgrund steigender Anforderungen und der zunehmenden Komplexität diagnostischer Fragestellungen, wird der Bedarf in den kommenden Jahren vermutlich weiter steigen. Es be­stehen daher beste Chancen auf eine Stelle als Weiterbildungsassistent sowie auf nachfolgende Karrierestufen.

Weiterbildungsstellen – wo und wie die Suche beginnen?

Medizinische Labore mit weiterbildungsbefugten Ärzten findet man über die zuständige Landesärztekammer. Idealerweise ist die Weiterbildungsstätte ein Labor mit einer vollen Weiterbildungsermächtigung, welches die vielen Bereiche der Labormedizin vollständig abbildet. In dieser Hinsicht sind breit aufgestellte Labore, wie zum Beispiel Zentrallabore von Universitäten, Labore in großen Kliniken oder ambulante Großlabore zu bevorzugen. Eine universitäre Facharztweiterbildung hat zum Vorteil, dass Klinik und Forschung eng miteinander verzahnt sind und sich verschiedenste Möglichkeiten der Spezialisierung bieten. Dem Assis­tenz­arzt sollte mindestens ein dauerhafter ärztlicher Ansprechpartner im Labor zur Seite gestellt werden, dem er sich in fachlichen und Weiterbildungsfragen an­vertrauen kann. Zudem sollte bei der Be­werbung nach internen und externen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten gefragt werden.

Sektion Junges Labor der DGKL e.V. – www.DGKL.de

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e. V. (DGKL) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der Laboratoriumsmedizin in Deutschland und vertritt die Interessen der derzeit mehr als 1.100 Mitglieder national und darüber hinaus. Die Sektion Junges Labor bietet Weiterbildungsassistenten und jungen Labormedizinern ein Forum für den fachlichen, wissenschaftlichen und persönlichen Austausch. Die Sektion Junges Labor ist gerne Ansprechpartner für alle Belange rund um die Weiterbildung zum Facharzt für Laboratoriumsmedizin. Kontakt: sek­_junges.labor@dgkl.de


Über die Autoren: Dr. Ronald Biemann ist Sektionssprecher, Sektion Junges Labor, DGKL und tätig am Institut für Laboratoriumsmedizin der Universitätsklinikum Leipzig. Dr. Larissa Lauterbach, MHBA, ist stellvertretende Sektionssprecherin Sektion Junges Labor, DGKL und arbeitet als Labormedizinerin im Medizinischen La­bor Rosenheim MVZ. Dr. Larissa Lauterbach be­treibt die Website www.jungelabormedizin.de. Hier finden sich zusätzliche Informationen zum Berufsbild des Labormediziners.


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