„Bevölkerungsmedizin auf sehr hohem Niveau”

Ein besonders spannendes Gesundheitsamt befindet sich in Kiel. Es bietet eine enorme Vielfalt an Arbeitsmöglichkeiten im Öffentlichen Gesundheitsdienst und kombiniert das breite Spektrum an Aufgaben mit einem Lebensgefühl in der Stadt an der Ostsee, welches vor allem jüngere Menschen sehr zu schätzen wissen, wie uns Dr. Sabine Herlitzius im persönlichen Gespräch erläuterte. Sie ist Leiterin des Amtes für Gesundheit Kiel und weiß, wer sich in ihrem Team besonders wohlfühlt.

Amt für Gesundheit Kiel

© Lh Kiel/Kai Teichmann

Was sind Ihre Aufgaben im Amt für Gesundheit in Kiel und welchen Herausforderungen müssen Sie begegnen?
Zu unseren Aufgabengebieten zählen der Bevölkerungs- und Gesundheitsschutz, die Sachverständigentätigkeit sowie die Prävention und Gesundheitsförderung. Für uns ist wichtig, das Profil und die Herausforderungen der kommunalen Landschaft zu kennen und zu wissen, wie sich die Bevölkerungsstruktur zusammensetzt, welche besonderen Standorte es gibt und welche Rahmenbedingungen bisher gegeben sind. Hierbei sollten auch die neuen Familienstrukturen berücksichtigt und vor allem die Förderung und Entwicklung von Kindern vorangetrieben werden. Auch alte und kranke Menschen sowie Menschen mit Behinderung dürfen nicht durch das Raster fallen und sollten die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.

In der momentanen Situation liegt Ihr Augenmerk vermutlich hauptsächlich auf dem Infektionsschutz?
Ja, und dieser bietet gegenwärtig und zukünftig ein riesiges Potenzial an Aufgabensegmenten. Dazu zählen die multiresistenten Erreger – alias Krankenhauskeime – aber auch die Umwelthygiene. Letztere beschäftigt sich nicht nur mit dem Ausmaß des Klimawandels, sondern auch mit dessen konkreten Auswirkungen auf den Menschen. Des weiteren bieten wir Beratungsangebote und eine Krisenintervention für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder in herausfordernden Lebenslagen in unserem Sozialpsychiatrischen Dienst an.

Einerseits hilft Ihnen die gegenwärtige Pandemie dabei, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst besser wahrgenommen wird. Andererseits könnte man Ihr Spektrum als ausschließlich auf den Infektionsschutz ausgerichtet missverstehen.
In der Tat haben wir ein sehr breites Aufgabenspektrum und sehr viel mehr zu bieten. Nur wenige Arbeitgeber halten derart ­­viele unterschiedliche Aufgabenfelder bereit. Dieser Sachverhalt wird gerade bei jungen Ärzt:innen leicht unterschätzt und resultiert sicherlich auch daraus, dass es momentan noch keinen direkten Lehrstuhl für den ÖGD gibt und der Blick der Nachwuchsmediziner: innen nur selten auf die Bevölkerungsmedizin fällt. Genau das muss im Studium geändert werden, um die Leidenschaft für diese Fachdisziplin schon früh zu wecken. Wenn mehr Mediziner:innen von der Vielfalt der Herausforderungen und der Dynamik unserer Aufgaben Kenntnis hätten, wären die Nachwuchsprobleme in den Gesundheitsämtern sicherlich geringer.

Welchen Stellenwert hat das Amt für Gesundheit in Kiel?
Wir hören von manchen Gesundheitsämtern, dass sie sich von politischer Seite aus mehr Wertschätzung wünschen. Wir empfinden diese Wertschätzung schon. Dank des Sozialdezernats werden wir auf kommunaler Ebene gut wahrgenommen und auch hinsichtlich aufkommender Fragen unterstützt. Trotzdem fordern die sich stetig wandelnden gesundheitlichen Herausforderungen in den verschiedenen Lebenswelten ein ständiges Zusammenarbeiten mit anderen Akteuren, Fachlichkeiten und der Politik. Organisatorisch vorgeschaltet ist uns das Gesundheitsministerium von Schleswig-Holstein, mit der Besonderheit, dass wir kein Landesgesundheitsamt haben. Wir haben eine Fachaufsicht im Infektionsschutz, welche im Gesundheitsministerium angesiedelt ist. Zwischen den Gesundheitsämtern in Schleswig-Holstein und auch dem Ministerium besteht ein sehr guter Kontakt, welcher zur Zeit vor allem in krisenbedingten, wöchentlichen Telefonkonferenzen resultiert. Zudem gibt es ein Gremium der kommunalen Spitzenverbände des Ministeriums, bei dem die Leiter aller Gesundheitsämter zusammenarbeiten.

Wen suchen Sie denn eigentlich konkret und welche Karriereperspektiven können Sie den Ärzt:innen bieten?
Wir suchen Ärzte und Ärztinnen aus den verschiedensten Fachdisziplinen. Momentan vereinen wir Fachrichtungen wie zum Beispiel Öffentliches Gesundheitswesen, Allgemeinmedizin, Mikrobiologie und Hygiene, Zahnmedizin, Kinder- und Jugendmedizin, Psychiatrie, Gynäkologie unter diesem Dach. Als größtes Gesundheitsamt Schleswig-Holsteins ergeben sich durch einen WHO-Hafen, ein großes Krematorium, einen Hochschulstandort, verschiedenste Kliniken und einen großen Kulturbereich sowie den Sitz der Landesregierung auch besondere Aufgabenstellungen. Neben Fachärzt:innen sind wir auch auf der Suche nach jungen Mediziner: innen, die bei uns eine Weiterbildung anstreben. Somit können sich auch Ärzte und Ärztinnen, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen und sich für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) interessieren, bewerben. Aber auch Mediziner: innen, die schon eine Facharztqualifikation haben und nun beabsichtigen eine Weiterbildung zum Facharzt beziehungsweise zur Fachärztin im ÖGD zu machen, sind jederzeit willkommen. Andere Weiterbildungsmöglichkeiten finden sich neben dem ÖGD auch in der Gynäkologie. Zudem dürfen die Aufstiegschancen nicht außer Acht gelassen werden. Eine ständige Dynamik und die Ausbildung persönlicher Affinitäten ermöglichen auch die Entwicklung beruflicher Perspektiven in anderen Positionen, wie beispielsweise der Sachbereichs- oder Abteilungsleitung. Hierfür ist es wichtig, dass Anwärter: innen nicht vor Personalverantwortung zurückschrecken und gewillt sind bei kommunalen Herausforderungen an der Schnittstelle von Politik und Medizin mitzuarbeiten. Momentan suchen wir händeringend nach Psychiatern, einer Sachbereichsleitung im Sozialpsychiatrischen Dienst, einer Abteilungsleitung im Zahnärztlichen Dienst, einer ärztlichen Abteilungsleitung für den Infektionsschutz und Ärzt:innen für die amtlichen Gutachten.

Und was macht das Arbeiten in Ihrem Amt für Gesundheit besonders reizvoll?
Ich würde vor allem drei Punkte herausheben wollen. Erstes und sehr wichtiges Kriterium ist die Kultur der Zusammenarbeit, die in unserem Gesundheitsamt gepflegt wird und durch die Initiativen für die Bürger unserer Stadt entstehen, anhand derer man erkennt, wie motiviert und empathisch unsere Kollegen und Kolleginnen sind, um Bevölkerungsmedizin auf sehr hohem Niveau zu leisten.

Welche Initiativen sind das?
Wir organisieren etwa Sprechstunden für Obdachlose, die in einem ausgelagerten „Treff“ stattfinden, um leichter Vertrauen zu diesen Bürger:innen aufzubauen. Eine weitere Besonderheit in unserem Gesundheitsamt ist auch die Sprechstunde für nicht krankenversicherte schwangere Frauen. Auch unsere sexuelle Beratungsstelle, welche eng mit der AIDS-Hilfe zusammenarbeitet, bietet spezielle Angebote an wie etwa Testwochen und Aufklärungsgespräche. Dies sind Beispiele dafür, mit welcher Leidenschaft wir für die Bürger arbeiten – und diese Leidenschaft wäre nicht möglich, wenn wir sie nicht im täglichen, produktiven Miteinander leben würden.

Und die beiden anderen Punkte?
Der zweite wichtige Punkt ist die Einbettung in eine generell sehr hochwertige medizinische Versorgung am Standort Kiel mit einer Universitätsklinik als Maximalversorger, einer städtischen Klinik sowie den einzelnen Fachklinken Für uns bedeutet das eine hervorragende ärztliche Versorgung der Bevölkerung. Dritter Punkt ist sicherlich der reizvolle Standort, der sowohl für junge Menschen als auch diejenigen, die bereits Familie haben, sehr viel zu bieten hat.

Gibt es zusätzliche Unterstützungen für Ärzte und Ärztinnen, mit denen Sie um interessierte Kandidaten werben können?
Natürlich werden in unserem Gesundheitsamt Zulagen angeboten. Neben den Fachkräftezulagen existieren weitere Zulagen, die sich auf die jeweilige Position und die damit einhergehende Personalverantwortung beziehen. Zugleich unterstützen wir als Weiterbildungsstätte unser Personal und geben jedem einzelnen die Chance, sich zu entwickeln. Hierfür bieten wir unseren Ärzten und Ärztinnen diverse Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten an. Hinzu kommt, dass wir wirklich sehr familienfreundlich sind: Über Gleitzeit bis hin zur Möglichkeit der Telearbeit ist alles geboten, was dabei helfen kann, Arbeit und Familienleben optimal miteinander zu vereinen. Ebenfalls wird derzeit eine Kita für die städtischen Angestellten gebaut.

Wenn Sie sich unter den Kolleginnen und Kollegen umsehen: Welche Persönlichkeiten fühlen sich bei Ihnen im Amt für Gesundheit besonders wohl?
Ich beobachte, dass sich vor allem junge Leute bei uns wohl fühlen. Dies hängt primär mit unserer Dynamik sowie der engen und intensiven Teamarbeit zusammen. Auch wer Freude daran hat, Ideen zu entwickeln, ist bei uns besonders gut aufgehoben. Dabei enden diese Ideen nicht in unserem Gesundheitsamt: Wir arbeiten eng mit anderen Akteuren aus der kommunalen Landschaft zusammen, sodass wir wichtige Themen auch an andere Ämter herantragen können. Dieses grenzübergreifende Arbeiten bringt nicht nur Abwechslung in die Arbeit, sondern ermöglicht einem auch,.neue Themengebiete zu erschliessen, die mitgestaltet werden können.

Als letzte Frage würde ich gerne von Ihnen wissen, ob es ein Vorurteil gibt, mit dem Sie dringend aufräumen möchten?
Gerade junge Menschen sollten sich von dem Vorurteil, dass das Gesundheitsamt ein „Schreibtischjob“ wäre, nicht abschrecken lassen. In der Bevölkerungsmedizin gibt es eine Fülle an wirklich spannenden Aufgaben und man erlebt sehr direkt, wie man sehr konkret helfen kann. Bei uns in Kiel muss man sich übrigens nicht auf eine Abteilung festlegen, sondern kann erst einmal – sowohl intern als auch in den Kliniken und bei zusammenarbeitenden Kooperationspartnern – ein paar Erfahrungen sammeln und so nach und nach das Themengebiet finden, für das man sich wirklich begeistert.


Der Standort Kiel: Eine entspannte Großstadt ganz im Norden

Amt für Gesundheit Kiel

© Lh Kiel/Videomedia Kiel

„Schleswig-Holstein ist das Land zwischen den Meeren und Kiel liegt direkt an der Ostsee. Man lebt und arbeitet am Wasser und kann zahlreiche Strände besuchen und verschiedene Wassersportmöglichkeiten nutzen. Vor allem die Atmosphäre im Sommer ist hier einzigartig schön. Als fahrradfreundliche Stadt verfügt Kiel über Schnellrouten für Fahrradfahrer:innen, damit diese sich schnell und ohne den Autoverkehr durch die Stadt bewegen können. Zudem macht der Anschluss nach Skandinavien und die Fähren, die einen über die Fjorde und zu den einzelnen Stränden bringen, diese Stadt aus. Aber auch abseits des Ufers hat Kiel für Jung und Alt viel zu bieten: Theater, Museen, Galerien, dazu eine vielschichtige Gastronomie- und Veranstaltungsszene. Mit der Kieler Woche feiert die Stadt jedes Jahr das größte Sommerfest im Norden Europas und die zugleich größte Segelsportveranstaltung der Welt.”


Amt für Gesundheit KielDr. Sabine Herlitzius studierte Zahnmedizin an der Uni Kiel und promovierte anschließend an der Medizinischen Hochschule Hannover. Nach ihrer Tätigkeit im Praxis- und Sachbereich des Öffentlichen Gesundheitsdienstes übernahm sie die Abteilungsleitung des Zahnärztlichen Dienstes. Seit 10 Jahren ist sie nun Leiterin des Amtes für Gesundheit in Kiel.


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