Gamification-Ansatz für die Praxisplanung

Niederlassung Praxisraum Planspiel

Kann ein Planspiel helfen, die Praxisgründung oder -übernahme zu erleichtern? Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung ist davon überzeugt und bietet das Smartphonespiel „Praxisraum“ in den Stores von Apple und Android zum kostenfreien Download an. Wie genau funktioniert die App und welche Ziele setzt man sich mit diesem Ansatz?

Erklären Sie eingangs unserer Leserschaft bitte kurz, was „Praxisraum“ genau ist und welche Initialzündung hinter der Planspielapp steckt.
Praxisraum ist ein sogenanntes Serious Game, ein Spiel mit ernsthaftem Hintergrund, welches vor allem bei Medizinstudierenden und jungen Ärzt:innen das Interesse auf die zahlreichen Herausforderungen für eine spätere Niederlassung wecken soll. Studium und Weiterbildung finden nach wie vor weitgehend im Krankenhausumfeld statt. Daher bestehen oftmals Wissensdefizite und Berührungsängste vor dem Aufbau einer eigenen Praxis. Das Ziel einer solchen Gamification ist unter anderem die Motivation: Die Spielerinnen und Spieler sollen Spaß haben an dem, was sie tun und dabei etwas lernen. Aber es ist auch die „gefahrlose“ Vermittlung von wichtigen Fähigkeiten, die man in der Praxis so nicht trainieren kann.

Niederlassung Praxisraum PlanspielWas erwartet die jungen Mediziner:innen in dem Planspiel?
Angehende Mediziner:innen können spielerisch erfahren, mit welchen Kosten sie rechnen müssen, wenn sie auf dem Land, in einem Vorort oder mitten in einer Großstadt eine Praxis neu gründen. Zudem erleben sie, welche Vorteile eine Praxisübernahme bietet, worauf sie bei der Einstellung von Personal achten sollten und wie sich die Abrechnung organisieren lässt. Für Praxisraum werden Daten verwendet, die das Zi in realen Praxen erhoben hat. Die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Nordrhein, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Westfalen-Lippe, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Hessen steuerten ihr Fachwissen für die grundlegende Ausgestaltung bei. Das Spiel abstrahiert natürlich, bietet aber einen guten Einblick in die typischen Abläufe und Strukturen.

Sehen Sie an manchen Stellen einen Verbesserungsbedarf?
Die App soll sich zukünftig noch besser an der Nutzung in der Ausbildung an medizinischen Fakultäten ausgerichtet werden. Für die Weiterentwicklung des Spiels wird von den App-Testenden empfohlen, noch stärker ins Detail zu gehen. Ergänzend wäre es bei der Entscheidung über die regionale Lage der Praxis für angehende, niedergelassene Ärzt:innen auch wichtig zu wissen, welche Infrastruktur es für die eigenen Kinder und die Partner:innen gibt, in welcher Entfernung Schulen und Kindergärten vorhanden sind und wie die Verkehrsanbindung ist.

Für welche Ärzte und Ärztinnen ist das Planspiel besonders interessant?
Das Planspiel richtet sich an Medizinstudierende, die sich das Spiel kostenfrei als App herunterladen und dann Aufbau und Organisation einer Vertragspraxis durchspielen können. Bei jungen Ärzt:innen soll außerdem das Interesse für eine spätere Niederlassung geweckt werden.

Niederlassung Praxisraum PlanspielWelches Know-how lernen die User durch die App für eine zukünftige reale Praxisgründung?
Mit Computer oder Handy können Mediziner:innen wichtige Fähigkeiten erlernen. Beispielsweise in welche medizinische Ausrüstung investiert werden muss, wie stark das Personal einer Praxis weitergebildet werden sollte und sogar, ob das richtige Maß an Work-Life-Balance eingestellt ist. Das Spiel lenkt den Fokus auf eine sehr wichtige Thematik und liefert realistische Informationen zum erreichbaren Überschuss aus der Praxistätigkeit. Auch hierzu herrschen im Klinikkontext meist falsche Vorstellungen.

Wie fiel bisher das Feedback generell aus?
Für die Niederlassungsentscheidung sind viele Aspekte zu bedenken. Das Spiel kann hierzu einen kleinen Beitrag leisten. Für ein Nischen-Spiel haben wir eine beachtliche Zahl von Rückmeldungen, nach denen das Spiel als gelungen bewertet wird und gleichzeitig Weiterentwicklungen angeregt werden, die wir auch aufgreifen wollen.

Zu guter Letzt: Wohin können sich die jungen Ärzt:innen mit ihren Fragen wenden?
Die KBV und die KVen wenden sich seit Mai 2014 gezielt an Medizinstudierende und junge Ärzt:innen mit der Kampagne „Lass dich nieder!“. Sie wollen den Ärztenachwuchs über die Arbeit in der Niederlassung informieren und dafür begeistern. Unter der Homepage www.lass-dich-nieder.de gibt es weitere Informationen. Ferner gibt es konkrete Informationen auf www.zi-pp.de/zahlen_fakten.


Sie möchten mehr über die Niederlassung erfahren? Dann schauen Sie sich in unserem Themenschwerpunkt „Initiative Stadt-/Landärzt:innen“ um.

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