„Per Schnappschuss zur Diagnose“

dermanostic App Start-up

Viele Menschen entdecken „seltsame Flecken“ auf ihrem Körper oder haben Bedenken bei ihren Muttermalen, wollen sich aber trotzdem nicht die Zeit nehmen zu einem Arzt zu gehen. Dermanostic hilft genau diesen Leuten, aber natürlich auch allen anderen Patient:innen mit Hauterkrankungen. Das Konzept dahinter? App herunterladen, Foto machen, Fragebogen ausfüllen und auf die Diagnose warten. Was genau hinter der App steckt und wie sie uns als Anwender:innen hilft, erklärt uns Dr. Alice Martin, Dermatologin in Weiterbildung und Co-Gründerin des Startups dermanostic.

Frau Dr. Martin, was ist dermanostic und was war die Initialzündung dafür?
dermanostic – „Hautarzt per App“, bietet Patient:innen mit Hautproblemen eine Diagnose mit Therapieempfehlung und Rezept innerhalb von 24 Stunden durch Hautärzt:innen per App. So können Patient:innen zeit- und ortsunabhängig behandelt werden.

Die Gründer:innen (Dr. Ole Martin, Dr. Alice Martin, Dr. Estefanía Lang und Patrick Lang) sind Ärzte/Ärztinnen, die sich intensiv mit der Dermatologie auseinandergesetzt haben. Die Idee entstand dadurch, dass ich und Estefanía, beide Ärztinnen aus der Dermatologie, immer wieder Fotos von Familie und Freunden zugesandt bekamen, die bei einer Hautveränderung um einen dermatologischen Rat baten. Wir haben dabei festgestellt, dass wir nahezu 100% aller Anfragen lösen konnten.

Diese Erfahrungen decken sich mit großen internationalen Studien, die belegen, dass eine Blickdiagnose von Hautveränderungen über das Prinzip der Bild-Text-Lösung (Store-and-Forward) gestellt werden kann. Dies ist ein etabliertes und wissenschaftlich validiertes Konzept in der Teledermatologie. Wir wollten dies professionalisieren, holten unsere Männer mit ins Boot und dermanostic war geboren.

Was ist eure Vision und welchen konkreten Nutzen wollt ihr stiften?
dermanostic möchte die dermatologische Patientenversorgung in Zeiten der Digitalisierung erweitern. Unsere Vision ist es, Patient:innen – egal wo auf der Welt – einen schnellen und einfachen Zugang zu einem Hautarzt oder einer Hautärztin zu ermöglichen.

Mit welchem Geschäftsmodell möchtet ihr Geld verdienen beziehungsweise wie soll die Refinanzierung aussehen?
dermanostic bietet Patient:innen eine digitale Hautarztbehandlung inklusive Diagnose und Therapieempfehlung ihrer Hauterkrankung innerhalb von 24 Stunden an. Der/die Patient:in sendet 3 Fotos von seinen/ihren Hautveränderungen und füllt einen kurzen Fragebogen aus, beides wird verschlüsselt an ein Expertenteam aus Fachärzt:innen und Professor:innen für Dermatologie übermittelt. Der/die Patient:in erhält im Rahmen der digitalen Behandlung einen Arztbrief, in dem Erkrankung und Therapie patientenfreundlich erklärt werden. Ein Rezept wird, wenn nötig, an die Wunschapotheke oder nach Hause geschickt. Die Behandlung kostet 25€ und wird durch private Krankenkassen übernommen.

Wie weit seid ihr mit der Entwicklung von dermanostic und was waren die großen Herausforderungen?
Der geplante Start war etwa zeitgleich mit Beginn der Covid19-Krise, wodurch auch bei dermanostic große Herausforderungen entstanden.

Die Investorensuche wurde erschwert, ein Investor zog seine Zusage kurzfristig zurück. Und auch alle rechtlichen Schritte vom Notartermin bis hin zur Prüfung der App bei Google Play und dem Apple Store dauerten, sodass wir erst im April die App veröffentlichen konnten. Dermanostic wird aktuell von vier Business Angels unterstützt, der Firmenwert liegt bei 2 Millionen Euro. Mittlerweile wurden durch dermanostic bereits über 2500 Patient:innen erfolgreich behandelt. Eine weitere Finanzierungsrunde ist für Ende 2020 / Anfang 2021 geplant.

Frau Dr. Martin, welche persönliche Einstellung, Skills und Kompetenzen habt ihr und die anderen Gründungsmitglieder mitgebracht, um als Unternehmer in die Medizinbranche durchzustarten? Und wieso habt ihr euch gegen eine „sichere“ Karriere und für eine Start-up-Gründung entschieden?
Eine klassische Karriere kann deutlich weniger Abwechslung bieten als die telemedizinische Praxis von dermanostic. Auch kann durch die Digitalisierung eine deutlich größere Menge an Patient:innen erreicht und behandelt werden. Der Arztberuf bleibt ein Leben lang erhalten und wird durch das Unternehmen nur pausiert. Außerdem arbeiten sowohl Estefanía als auch ich mit dermanostic weiterhin im medizinischen Bereich. Estefanía übernimmt als Fachärztin für Dermatologie die medizinische Leitung, ich leite die fachliche Redaktion und informiere Patienten über dermatologische Themen.

Ein zur Gründung notwendiges BWL-Grundwissen haben sich die Gründer selbstständig angeeignet. Estefanía und ich haben bereits Erfahrung durch das erste Unternehmen MEDI-LOGIN (Online-Lehrkurse für Ärzte).

Zur betriebswirtschaftlichen Unterstützung hat dermanostic noch einen Betriebswirtschaftler (Sebastian Esser) hinzugeholt, der in essentiellen Fragen und Themen das Unternehmen unterstützt. Weiter war es wichtig, nicht nur auf Investorengelder zu zählen, sondern auch Business Angels zu gewinnen.

Welche Tipps könnt ihr angehenden Gründern innerhalb der MedTech-Branche geben?
Wie bei jeder anderen Gründung gilt, dass man mit Menschen gründen sollte, die sich für die Idee begeistern und mit Leidenschaft dabei sind. Bereits zu Anfang sollte man sich ein gutes Netzwerk zwischen den verschiedensten Bereichen im Gesundheitswesen aufbauen, da die Unternehmen hier starke Synergien bilden können. Insbesondere das Marketing und der Vertrieb können sich entscheidend zu anderen Branchen unterscheiden, sodass ein enger Erfahrungsaustausch einen großen Gewinn darstellt.


dermanostic App Start-up Dr. Alice Martin studierte Humanmedizin an der Heinrich-Heine-Universität  Düsseldorf und arbeitet seit 2018 als Ärztin in Weiterbildung für Dermatologie, aktuell  im Helios Universitätsklinikum Wuppertal.  Sie ist Mitgründerin von dermanostic – „Hautarzt per App“ und dem Start-up MEDILOGIN, einer Online-Fortbildungsplattform für Ärzte. 

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