Wie die Defibrillator-Drohne Leben retten könnte

HORYZN Defibrillator Drohne
Die 58-köpfige Gruppe HORYZN, hat an der Fakultät für Luftfahrt, Raumfahrt und Geodäsie der TU München mit „SILENCIO GAMMA” den ersten Prototyp einer Defibrillator-Drohne entwickelt, welcher nun in einer neuen Version helfen könnte, Defibrillatoren kurzfristig an den Ort eines akuten Notfalls zu transportieren. Wir sprachen mit Sonja Dluhosch (Bild) von HORYZN über das Projekt „Mission Pulse”.

HORYZN Defibrillator Drohne

Wie sind die Idee und das Konzept für die Defibrillator-Drohne entstanden?
Unser „Business & Certification“-Subteam untersuchte 2020 im Rahmen einer umfangreichen Anwendungsfallanalyse für sogenannte „Electrical Vertical Take-Off and Landing Unmanned Aarial Vehicle” – also einer starrflügeligen, senkrechtstartenden Drohne – unter anderem den Anwendungsfall eines Blutkonserventransport. Und obwohl dies ein sehr interessanter Anwendungsfall ist, haben wir feststellen müssen, dass der Bedarf dafür in Deutschland nicht sehr hoch ist und sich im medizinischen Bereich der Defibrillator-Transport als nächstes Projekt besser eignet. Zudem möchten wir als studentische Initiative mit diesem Projekt auch andere Ziele umsetzen; etwa die gesellschaftliche Akzeptanz von zivilen, autonom fliegenden Drohnen in der Gesellschaft steigern und generell neue Schwerpunkte in der Entwicklung des Konzeptes setzen. Dies alles können wir im Rahmen unseres Projektes „Mission Pulse“ vereinen.

Was genau darf man sich unter eurer Defibrillator-Drohne vorstellen?
Noch ist es ja kein Produkt – in „Mission Pulse” wird lediglich die Machbarkeit des Anwendungsfalls geprüft. Die Defibrillator-Drohne, welche wir „Frankenstein“ getauft haben, sieht aus wie ein kleines Flugzeug, hat jedoch zusätzlich noch 8 Rotoren für den Senkrechtflug beziehungsweise Schwebemodus. Sie wird unserer Drohne SILENCIO GAMMA (Bild) ähnlich sehen, welche wir letztes Jahr entwickelt und gebaut haben. Die Funktion ist folgende: Wenn ein Notruf bei der Leitstelle eingeht, wird neben dem Rettungswagen auch die nächstgelegene Drohne alarmiert und fliegt direkt zum Einsatzort, wobei wir davon ausgehen, dass sie in üblicherweise vier Minuten vor Ort ist und damit fünf Minuten schneller als der nach durchschnittlich neun Minuten eintreffende Krankenwagen.

Zusätzlich wird eine Person mit medizinischem Hintergrundwissen über eine App alarmiert, sofern sie sich in der Nähe einer Notfallstelle befindet.
Genau. Über eine App wie „Mobile Retter“ würde ein mobilfunkaktivierter Laienhelfer idealerweise nach spätestens fünf Minuten vor Ort sein und könnte den von der Drohne angelieferten Defibrillator einsetzen. Und auch wenn sich kein mobilfunkaktivierter Laienhelfer vor Ort befinden sollte, können natürlich auch andere Personen, welche sich am Einsatzort befinden, den Defibrillator aufheben und anwenden. Einen Defibrillator kann generell jeder anwenden – sie sind sehr intuitiv zu bedienen und erklären dem Anwender die einzelnen Schritte.

Was waren bisher die größten Schwierigkeiten, die ihr überwinden musstet?
Die größte Hürde ist neben den technischen Herausforderungen und dem Antrag auf Betriebsgenehmigung für die simulierten Rettungseinsätze die Suche nach Unterstützern und Sponsoren. Dieses Projekt wird doppelt so viel kosten wie unser letztes Projekt – dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir genug Unterstützer finden werden, um das Projekt trotz der Corona-Krise durchführen zu können. Wir sind überzeugt, dass „Mission Pulse” nicht nur Forschungszwecken dient, sondern auch einen Mehrwert für die Gesellschaft darstellen kann.

Kann aus dem Projekt irgendwann auch einmal ein Geschäftsmodell werden?
Da Mission Pulse „nur“ ein Forschungsprojekt ist, ist kein Geschäftsmodell geplant. Wir wollen in diesem Projekt – wie auch schon im Vorgänger-Projekt SILENCIO GAMMA – unser im Studium erlerntes Wissen in die Praxis umsetzen. Dafür haben wir uns einen relevanten Anwendungsfall rausgesucht und natürlich können die Ergebnisse unserer Forschungsarbeit auch von Firmen genutzt werden. Wir leisten gewissermaßen die Vorarbeit eines etwaigen Geschäftsmodells, indem wir die Machbarkeit des Anwendungsfalls sowohl technisch als auch zulassungsrechtlich testen. Alle 58 Leute in unserem Team studieren ja noch und verwirklichen dieses Projekt neben dem Studium – wir verdienen absolut gar nichts durch das Projekt. Jedoch sammeln wir viel Erfahrung, was uns später im Arbeitsleben natürlich von Vorteil sein kann.


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