Welche medizinische Disziplin ist für mich die Richtige?

Ratgeber fachärztlichen Weiterbildung

Die Entscheidung für eine bestimmte Disziplin und damit die Facharztausbildung sollte überlegt und fundiert getroffen werden. „Die persönliche Neigung ist sicherlich das Wichtigste” findet Gastautorin PD Dr. med. Mirja Neizel-Wittke.

Schon die Famulaturen und auch das Wahl-Fach im prakti­schen Jahr können genutzt werden, um zu schauen, ob ein be­stimm­tes Fach einem besonders viel Spaß macht und einem liegt.
Neben der persönlichen Neigung sollte aber auch geschaut werden, wo der Bedarf da ist und auch die wirtschaftlichen Rah­menbedingungen sollte man sich zumindest einmal durch den Kopf gehen lassen.
Bevor man sich für eine bestimmte Disziplin entscheidet, ist es auch wichtig, sich Gedanken über Familienplanung und Teil­zeitaspekte zu machen. Einige Disziplinen sind eher für Teil­zeitoptionen geeignet als andere und sind teilweise auch schon erprobter, wie beispielsweise die Kinderheilkunde oder die Geburtsheilkunde. Dennoch kommt es auch oft auf die einzelnen Chefärzt:innen der Abteilung an, in wie weit sich Teil­zeitkonzepte realisieren lassen. Wird die wöchentliche Ar­beitszeit auf ein Teilzeitmodell reduziert, sollte man auch be­achten, dass sich dann die Ausbildungszeit entsprechend verlängert. Beispielsweise sollten auch Intensivrotationen mit in die Familienplanung einbezogen werden.

Zudem sind auch die Möglichkeiten nach dem Facharzt zu beachten. Möchte man nach der Facharztausbildung in einer Praxis arbeiten, sollte man kein Fach belegen, welches dieses schwer möglich macht, wie zum Beispiel Herzchirurgie.

Neben der Größe der Klinik, spielt es auch eine Rolle, ob die volle Weiterbildungsberechtigung vorhanden ist. Wenn nicht, sollte geprüft werden, ob feste Kooperationen mit anderen Ab­teilungen oder anderen Kliniken vorliegen bezüglich einer vollen Weiterbildungsberechtigung. Denn nicht jede Klinik und nicht jeder Chefarzt/-ärztin darf uneingeschränkt Assistenzärzte und Assistenzärztinnen ausbilden. Eine Liste der jeweiligen Wei­terbildungsstätten ist bei den jeweiligen Landesärztekammern einsehbar.

Beim Vorstellungsgespräch ist es, neben den üblichen Fragen, auch wichtig das Teamklima zu erfassen. Wie ist die Stimmung im Team? Was ist der Chefärztin/dem Chefarzt besonders wich­tig? Wie viele Dienste müssen im Monat absolviert werden? Man sollte auch danach fragen, ob es ein bestimmtes Ro­tationsprinzip gibt. Im Idealfall sollte man zumindest für einen Tag in der Klinik hospitieren, um zum Beispiel mit anderen Assis­tenzärzt:innen ins Gespräch zu kommen. Dann kann man besser erfahren, ob beispielsweise Rotationen auch eingehalten werden und wie die Qualität der Weiterbildung ist.

Wenn man sich dann für eine bestimmte Weiterbildung und eine bestimmte Klinik entschieden hat, sind die ersten 100 Tage, wie in jedem Job, sehr wichtig, um zu evaluieren, ob die richtige Entscheidung getroffen wurde. Fühlt man sich wohl? Stimmt die Stimmung im Team? Wird das im Vorstellungsgespräch vorgestellte Ausbildungskonzept umgesetzt? Hier bie­ten einige Kliniken Patenkonzepte an, wo Assistezärzt:innen, die neu anfangen, einen andere:n Assistenzarzt/-ärztin als Paten/Patin bekommen, um sie durch die erste Zeit hindurch zu führen und beispielsweise in organisatorischen Dingen zu unterstützt. Auch ein Mentorprogramm bieten einige Kliniken an.

Sollte die angetretene Stelle doch nicht so zusagen, wie gedacht, sollte man zunächst ein Gespräch mit dem/der Vorgesetzten suchen. Hier können oft einige Dinge schon geklärt werden. Insgesamt ist es das allerwichtigste, dass einem das gewählte Fach Spaß macht. Nur dann kann man authentisch und auch besonders gut darin sein. Konzepte für eine Familienplanung etc. neben dem Job lassen sich immer finden.


Ratgeber fachärztlichen WeiterbildungDie gebürtige Hamburgerin PD Dr. med. Mirja Neizel-Wittke ist Chefärztin der Klinik für Kardiologie und Angiologie innerhalb der Städtischen Kliniken Mönchengladbach und im Vorstand von Netzwerk Frauenherz, einem gemeinnützigen Verein, der auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei Herz-Kreislauferkrankungen aufmerksam machen möchte.


Zu den Interviews mit den Fachgesellschaften geht es hier 🙂

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